Clarke, James

Untitled No.3

  • for solo piano

Work details

Year of composition
2006

Ausgaben

  • Purchase material

    Item number
    NM2919
    ISMN
    M-2032-3688-7
    EAN
    978-3-7333-2160-4
    €16.80incl. VAT, plus shipping

Description

„Die zeitgenössische Musik hat es im Moment wirklich nicht leicht. Mehr noch als die Musik der Klassik, Romantik oder der Moderne, die man ja auch schon recht gut kennt, braucht sie die Live-Aufführung, mit einem leibhaftig anwesenden Künstler, der für ein im Konzertsaal anwesendes Publikum spielt. Bei gestreamten Konzerten mit Neuer Musik fehlt einfach die sinnliche Präsenz des Interpreten, der mit seiner ganzen Persönlichkeit und Ausstrahlung für Werk und Interpretation einsteht. Die beim Berliner Verlag Neue Musik erschienenen Klavierstücke von James Clarke und David Gorton wurden immerhin schon aufgeführt oder eingespielt. Der britische Pianist Roderick Chadwick hat Gortons „Ondine" erst kürzlich beim Label divine art records eingespielt und es in einen Zusammenhang mit Musik von Olivier Messiaen und Karol Szymanowski gebracht. Den Titel dr CD, „La Mer bleue", passt auch gut zu Gortons Komposition, da Ondine ja schließlich eine Wassernixe ist. Wer dabei auch an Debussys gleichnamiges Klavierstück denkt, liegt goldrichtig. Auffällige Parallelen sind Cluster, (wie bei Debussy gleich am Anfang), gleichsam schwebende Girlanden und Arpeggien sowie weitgefächerte Liegeklänge. [...] Das permanente Durcheilen weiter Klangräume sowie die nahezu durchgängige Verwendung irrationaler Rhythmen – z.B. 13:8 – machen die interpretatorische Anstrengung zu einem schwierigen Unterfangen. Allerdings widerspräche eine peinlich genaue Wiedergabe der Idee des Stücks. Ondine ist ein ziemlich kapriziöses Wesen, bei dem man nie genau weiß, wo es sich gerade befindet und was es als nächstes vorhat.

James Clarkes Klavierstück „Untitled No. 3" aus dem Jahr 2006 ist in vielerlei Hinsicht das glatte Gegenteil von Gortons „Ondine". Das in seiner Anlage eher ruhig-meditative Stück basiert zur Gänze auf einer relativ einfachen Anfangsidee, die sich in einem sechstönigen Akkord und in einem nachschlagenden verminderten Dreiklang manifestiert. Im weiteren Verlauf variiert Clarke nach und nach sämtliche Klangkonstituenten (Register, Akkordaufbau, Takt, Rhythmus, Dauer), behält aber die absoluten Tonhöhen bei. Der dynamische Level bleibt 104 Takte lang konstant bei Pianissimo. Der Höreindruck ist der einer im Kern fixierten Klangkonstellation, die immer ein wenig anders erklingt. Als Inspirationsquelle dürften Clarke einige Klavierstücke von Morton Feldman gedient haben, was schon durch das ähnliche Erscheinungsbild – siehe z.B. Palais de Mari – nahegelegt wird. Wie bei Feldman geht es auch hier nicht um Fingerfertigkeit, sondern um die konzentrierte Darstellung kleinster Differenzen in Klang und Klangdauer, jenseits aller Konventionen. Das ist eine interessante Erfahrung, aber viel anspruchsvoller und anstrengender als gedacht. Gestreamt ist das zarte Stück kaum vorstellbar. Da muss schon ein Pianist wie Nicholas Hodges vor einem auf der Bühne sitzen, damit die Musik ihre Wirkung entfalten kann. Genau der hat das Stück auch vor vierzehn Jahren in Huddersfield aus der Taufe gehoben.

Die beiden Editionen enthalten außer dem Notentext jeweils einen zweisprachigen Lebenslauf und ein Werkverzeichnis der Komponisten. Die Notengrafik ist so gestaltet, dass man auch bei komplizierten Passagen den Überblick behält. Diese Klavierstücke haben es auf jeden Fall verdient, dass sie demnächst wieder im Konzert erklingen können."


Robert Nemecek in PIANONews 3-2021 www.pianonews.de