
Gesualdo: Libro Sesto
- Text: Sixth Book of Madrigals by Don Carlo Gesualdo di Venosa
- for vocal ensemble
Work details
- Instrumentation
- SSAATTBB
- Year of composition
- 2012-13
Ausgaben
Purchase material
- Item number
- NM2582
- ISMN
- M-2032-3204-9
- EAN
- 978-3-7333-1790-4
€70.00incl. VAT, plus shipping
Description
"Einen brillanten Überblick über das eher weniger bekannte, doch umso bemerkenswertere Vokal-Oeuvre des Pianisten und Komponisten Michael Finnissy gewährt das britische Exaudi Ensemble. Das bedeutet Vokaltheater der Extraklasse in den madrigalesken "Cipriano" (1974) und "Tom Fool's Wooing" (1975-78), extravagante Expressivität mit exorbitanten Anforderungen, deren differenzierte Umsetzung sprachlos macht. "Gesualdo: Libro Sesto" (2012/13) entwickelt in sieben "Akten" seine opernhafte Theatralik im Bann des in Neue Muisk-Kreisen fast kultisch frequentierten Renaissance-Komponisten. (Winter & Winter)"
Dirk Wieschollek, neue musikzeitung, September 2018
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
«Every set of notes is a starting point» – jeder Note wohnt ein Anfang inne. So beschreibt der britische Komponist Michael Finnissy den Prozess des Musikerfindens. Das Scheitern ist ein ständiger Begleiter, der Erfolg nur ein vager und scheinbarer Zustand, den es zu hinterfragen gilt. Der Weg des 1946 in London geborenen Komponisten führte ihn zum Royal College of Music und schließlich nach Italien, wo er bei Roman Vlad studierte. Später berief er sich auf Charles Ives, dessen «Concord Sonata» ihn ästhetisch nachhaltig prägte. Der darin mitschwingende transzendentale Hintergrund scheint den Kern von Finnissys Musik zu berühren, fasst er doch all das zusammen, was sie zum Klingen bringt: Einflüsse der englischen Romantik, mystische Vorstellungen und Antidogmatik. Seine Musik verströmt eine Atmosphäre der «fröhlichen Melancholie». Besonders auffällig ist das beim ersten Werk des Albums, der Bearbeitung des «Libro Sesto» von Gesualdo. Es wurde 2012 bei Finnissy zum 10. Geburtstag des in London ansässigen Exaudi Vocal Ensembles in Auftrag gegeben. Gesualdos Madrigale offenbaren einen reichen Schatz an menschlichen Gefühlen, es geht um Liebe und Tod, daraus ergibt sich ein extremes Spannungsfeld. Die menschliche Stimme fungiert als unmittelbarer Ausdrucksübermittler. Finnissy greift aus dem Kaleidoskop der Motive und schneidenden Dissonanzen Fragmente heraus, leuchtet sie aus, bewertet sie neu. Man erkennt einen Gesualdo-Torso, der ausgehöhlt und neu gefüllt wurde. Dabei kommt es zu immer neuen Kombinationen von Stimmen, die eine Fülle von Vokalfarben entfachen. Höhepunkt ist das siebte Gedicht, das gleich einem Choral emphatische Freude verbreitet, um schließlich doch in einem dumpfen Gefühl der Hilflosigkeit zu enden. Das Album ist eine Zeitwanderung durch verschiedene Stationen des Komponisten, die unterschiedliche Zustände seiner Musik verraten, aber auch ein gemeinsames Interesse zeigen: Es ist das Interesse an der menschlichen Stimme, an ihren Möglichkeiten. Finnissy führt die Stimme in extreme Bereiche, gibt ihr schwierige Aufgaben, aber er lässt sie auch ruhen, schwelgen, zu sich kommen. Eines der herausforderndsten Werke ist «Kelir», in dem die menschliche Stimme archaisch und zugleich enorm komplex verwendet wird. Mikrotonale Melodien und Cluster treten in Korrespondenz mit javanischer Folklore und lassen das Bild eines Schattentheaters entstehen. Das 2002 gegründete Exaudi Vocal Ensemble beweist mit dem Album enorme interpretatorische Kraft, Einfühlungsvermögen und unglaubliche Stimmakrobatik. Und es macht einen Komponisten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dessen Werke zwar weltweit auf Festivals aufgeführt werden, dessen unglaubliches Ausdruckspotenzial aber immer noch von viel zu wenigen Menschen erkannt wurde.
Haino Rindler, Chorzeit, Dezember 2018 www.chorzeit.de
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
„Denken Sie an das Beispiel des New-Complexity-Komponisten Michael Finnissy, bei dem ich auch einen Meisterkurs besucht habe. Seine Musik ist voller Energie. Die Noten sehen so komplex aus, so detailliert. Auf den ersten Blick wirkt es unspielbar, geradezu unsingbar. Aber wenn man etwa hört, wie Finnissy seine eigenen Kompositionen spielt, zum Beispiel die „English Country Tunes“ für Klavier, dann spürt man die Wucht der Leidenschaft. Ich bewundere diesen großen Komponisten, er ist sehr emotional in seiner Musik und das ist so wunderbar.“
Der Komponist Eriks Ešenvalds im Gespräch mit Burkhard Schäfer, neue musikzeitung, Juli/August 2020
Abdruck mit freundlicher Genehmigung