Work details
- Year of composition
- 1987/88
Ausgaben
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- Item number
- NM4489
- ISMN
- 979-0-2032-7322-6
- EAN
- 978-3-7333-3823-7
€18.80incl. VAT, plus shipping
Description
"Seit mehr als 40 Jahren ist der 1962 in Minden geborene Jörg-Peter Mittmann als Komponist, Instrumentalsolist und – seit 1990 – Leiter des Ensembles Horizonte aktiv, so dass man ihn schon als „Urgestein" der zeitgenössischen Musik bezeichnen möchte. Das Spektrum seines Schaffens reicht vom Musiktheater bis zu Kompositionen für großes Orchester, aber der Schwerpunkt seines Schaffens liegt in Kompositionen für kammermusikalische Formationen, denen fast immer poetische oder philosophische Ideen zugrunde liegen. Dieses Konzept scheint Mittmann von Beginn an verfolgt zu haben, wie das beim Berliner Verlag Neue Musik erschienene Klavier-Triptychon Chiarina belegt. Es ist das Werk des 26-jährigen Komponisten Mittmann, der sich im Vorfeld der Komposition mit der Klaviermusik Robert Schumanns auseinandergesetzt haben muss, auf die das dreiteilige Stück mehrfach Bezug nimmt.
Chiarina ist bekanntlich der Titel eines Klavierstücks aus Schumanns Carneval, und es gibt noch mehr solcher Anleihen, denn alle drei Stücke tragen Schumann-Titel: Aufschwung heißt das erste, Nachtstück das zweite und Arabeske das dritte. Mittmann vermeidet allzu offensichtliche Zitate, aber komponiert gleichsam aus einer geistigen Verwandtschaft heraus und bringt seine musikalischen Ideen in eine moderne Ton- und Formensprache, die ihre Wurzeln in der freien Atonalität hat. Kleinste Regungen des Gemüts werden figürlich nachgezeichnet – mal „unruhig bewegt", mal „appassionato", mal „schüchtern tastend" oder „con intimissimo sentimento". Die Musik kommt ausgesprochen kontrastreich daher und kann von permanenter Verwandlung urplötzlich in rasenden Stillstand umschlagen. Man begegnet in den drei Stücken immer wieder auch Anklängen an Schumann, die mal mehr, mal weniger konkret sind. Das Akkordmotiv im zweiten Abschnitt des Nachtstücks (ab T. 14) erinnert sicher nicht zufällig am Schumanns erstes Nachtstück aus Op. 23. Die Spieltechnik bewegt sich vorwiegend in konventionellen Bahnen, die nur in besagtem Nachtstück – Fingerdämpfung der Saiten – kurzzeitig verlassen werden. Für eine angemessene Interpretation sollte der Interpret genügend Erfahrung mit atonaler Klaviermusik und mindestens eine solide Grifftechnik mitbringen. Der klar und sauber gestochene Notentext lässt keine Fragen offen. Die Lektüre des kurzen, aber aussagekräftigen Vorworts aus der Feder des Komponisten ist für ein besseres Verständnis dieses interessanten Klavierwerks unerlässlich."
Robert Nemecek, PIANONews 4/2026
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
