Stahmer, Klaus Hinrich

AUS MEINEM SKIZZENBUCH

  • for piano

Work details

Year of composition
2020/21

Ausgaben

  • Purchase material

    Item number
    NM3428
    ISMN
    979-0-2032-5449-2
    EAN
    978-3-7333-2719-4
    €18.80incl. VAT, plus shipping

Description

Vier Klavierstücke: I. Alles hält, weil alles fällt, II. Wohin? III. Kleine Lou, IV. Im Inneren; Alexandra Sostmann gewidmet – UA (Nr. I) Hamburg 2021


Klangvolle Momentaufnahmen, inspiriert durch Werke der Bildenden Kunst und durch gedankliche Assoziationen, zu loser Abfolge vereint, leben aus dem intensiv gestalteten Augenblick heraus. Frei fließen die Töne in a-metrischer Abfolge und Klanglichkeit. – „Alles hält, weil alles fällt" nennt der Hamburger Bildhauer Jan Meyer-Rogge eine aus vier Eisenwinkeln bestehende Skulptur. Daraus entwickelt wurde das erste Stück, eine Musik, in der das Schwere leicht und das Leichte schwer zu sein scheint. Stahmer spielt mit den Gravitationskräften der Musik. – Angelehnt an Debussys Prélude Des pas sur la neige entwickelt das zweite Stück „Wohin?" nachdenkliche und zarte Klänge. – Ganz auf den Augenblick gerichtet ist das Spiel- und Hörerlebnis im dritten Stück „Kleine Lou": Wie ein Kind gebe ich mich den Klängen hin und stelle meine Absichten und Pläne hintan. Ich lasse mich von dem überraschen, was sich ereignet – ich spiele, schreibt der Komponist dazu in seinem Skizzenbuch. – Im vierten Stück „Im Inneren" erwachsen die Klänge aus der Stille und münden wieder in die Stille, ganz im Sinne des spanischen Bildhauers Eduardo Chillida, an dessen Alabsterskulptur„Elogio de la arquitectura" sich die Musik ausrichtet.


„Ebenfalls erst kürzlich zu Ende komponiert wurde dieser vierteilige Klavierzyklus aus der Feder des 1941 in Stettin geborenen Klaus Hinrich Stahmer, der seit langem zu den führenden Persönlichkeiten der Neuen Musik gehört. Eine für die zeitgenössische Musik so wichtige Veranstaltung wie die Tage der Neuen Musik in Würzburg geht auf Stahmers Initiative zurück. Außerdem wurde er gleich zweimal zum Präsidenten der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik gewählt, und in dieser Funktion leitete er die Weltmusiktage in Köln/Bonn/Frankfurt. Charakteristisch für den Komponisten Stahmer ist seit jeher die Auseinandersetzung mit Literatur und bildender Kunst, aus der er für sein kompositorisches Schaffen fruchtbare Impulse zieht. Das ist offenbar auch in den vier Klavierstücken aus Stahmers Skizzenbuch der Fall, und das Schöne an der vorliegenden Publikation ist, dass man zwei Skulpturen, die den Komponisten zu seinen Klavierstücken inspiriert haben, auch betrachten kann. Sie sind in gestochen scharfen Farbfotos abgebildet. Gleich das erste Stück bezieht sich auf eine vom Hamburger Bildhauer Jan Meyer-Rogge angefertigte Skulptur, die jeden Augenblick umzukippen droht, was natürlich nicht passiert. Alles hält weil alles fällt, so der Titel, der auch über Stahmers erstem Klavierstück steht. In einem kurzen Einführungstext schreibt der Komponist, dass ihn die Paradoxie der Konstruktion „neue Klänge (habe) finden lassen". Allerdings orientiert sich Stahmer ganz offensichtlich am metrisch ungebundenen gregorianischen Choral sowie an mittelalterlichen Organa samt Haltetonpartien, Melismen, Tonsätzen Note-gegen-Note und Quartparallelen (gleich zu Beginn des ersten Stückes). […] Im Übrigen handelt es sich bei diesen „Klavierstücken" um sehr fragile Gebilde, die mal „zart schwebend", mal „sehr ruhig und mit Entschlossenheit" vorgetragen werden sollen. Der ein- bis vierstimmige Satz, meistens im langsamen Tempo vorzutragen, lässt sich auch mit bescheidenen manuellen Fähigkeiten bewältigen. Schwerer ist es indessen, dabei eine Spannung zu erzielen, die die Musik zum Leuchten bringt. Wie heißt es in einem der Werkkommentare von Klaus Hinrich Stahmer doch so schön? „Lass Dich auf die Stille ein, sieh das Licht im Inneren." (S. 18)"


Robert Nemecek in PIANONews 1-2023 www.pianonews.de

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