Werkangaben
- Kompositionsjahr
- 2007
Ausgaben
Kaufmaterial
- Artikelnummer
- NM1454
- ISMN
- M-2032-1840-1
- EAN
- 978-3-7333-0967-1
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Beschreibung
„Winterregen vor den Fenstern. Jetzt ist die Zeit der verschlossenen Türen, der falschen Gaskamine, der warmen Schals gegen den Nachtfrost gekommen. Zeit, euch an euer Mädchen oder eure Alte zu kuscheln oder, wie hier bei Snoxall’s, an nette Gesellschaft. Hier ist ein Unterschlupf, vielleicht sogar ein echter Ruhepunkt mitten in diesem endlosen Krieg, wo man sich treffen kann und Dinge tun, die nicht unbedingt im militärischen Interesse liegen“
Thomas Pynchon, Die Enden der Parabel
Stefan Lienenkämper, geboren 1963 im westfälischen Meinerzhagen, machte seine ersten musikalischen Erfahrungen als Bassist in Gospel- und Jazzbands und studierte dann erst einmal Philosophie, zog anschließend nach Amsterdam und studierte in den nächsten sechs Jahren Komposition im (nicht wirklich benachbarten) Utrecht, erhielt 1993 sein Diplom und besuchte in den Folgejahren Meisterkurse bei Gerhard Stäbler, Paul-Heinz Dittrich oder Hans-Joachim Hespos. Es folgten Preise bei kleinen und größeren Wettbewerben und Aufträge für experimentelle Kurzfilme, aber auch Brotarbeiten für „Die Sendung mit der Maus“. Inzwischen wohnt er, wie viele Komponisten seiner Generation, in Berlin. Dies nur vorangestellt, um den Mann stilistisch und geographisch zu verorten. Dass Lienenkämper außerdem ein Faible für anspruchsvolle Literatur hat, lässt sich am Titel seines im Verlag Neue Musik erschienenen Klavierstücks ablesen, bei dem ein berüchtigter Roman von Thomas Pynchon Pate stand. „In Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon ist der Satz zu finden: „… dein Geräusch wird die knisternde Nacht sein …“ Dieser Satz hat mich zu dieser Klaviermusik inspiriert.“ Formal betrachtet gehört es zu der großen Gruppe von Neue-Musik-Stücken, die leise beginnen, in der Mitte (hier auf Seite 9) sehr laut werden und am Ende in Stille versinken. Eigentlich eine Art „französischer Ouvertüre“ mit ihrem Wechsel von langsam-schnell-langsam. Die Musik nimmt sich viel Zeit, um Klänge und Effekte zu entfalten. Das Grundtempo ist langsam, eine „knisternde“ Halbtonreibung h‘-b‘ nimmt Motivcharakter ein und wird bis zum Verklingen gehalten. Zur Mitte hin verdichtet sich die anfangs sporadische Struktur und nimmt sogar Züge einer rhythmischen Struktur an. Eine wichtige Rolle spielt ein von Nikolaus A. Huber entlehnter Effekt, die angeschlagene Taste nur sehr langsam zu heben, wodurch der Dämpfer – bevor er die Saite dämpft – diese nur leicht berührt und so zu einer Klangfarbenveränderung führt. Das endgültige Verklingen des Tons soll also möglichst lange hinausgezögert werden. Während Pynchons Buch vielen als unlesbar gilt (James Joyces „Ulysseus“ oder „Finnegan’s Wake“ sind Kinderkram dagegen), ist Lienenkämpers Musik glücklicherweise weniger kompliziert ausgefallen. Modern zwar – mit allen Techniken, welche die Kompositionswissenschaft des 21. Jahrhunderts dem erfahrenen Meister bereitstellt – aber durchaus hör- uns spielbar. Und sehr poetisch. Man staunt manchmal, mit welchen einfachen Mitteln sich Musik herstellen lässt, die ihren Spieler oder Hörer berührt.
PIANONews 7/8-2012 www.pianonews.de
