Werkangaben
- Besetzung
- Kl/Sax, Hammond Org, E-Bass, S, Vl, Va, Vc, Ten/Schauspieler, Ten, Bar, Sop, Jugendliche (eher hohe Stimme), El
- Kompositionsjahr
- 2015
Ausgaben
Leihmaterial
- Artikelnummer
- NM11584
- ISMN
- M-2032-2832-5
Leihweise
Beschreibung
Uraufführung an der Hamburgischen Staatsoper, September 2015: Inszenierung Jette Steckel, Ensemble Resonanz und Steamboat Switzerland u.L.v. Titus Engel
Besprechung der Uraufführung von Christine Lemke-Matwey in DIE ZEIT...
„Mitten ins Herz traf die Uraufführung von Michael Wertmüllers Musiktheater „Weine nicht, singe“. Dea Loher hat für ihr Libretto die Tragödie des Nahostkonflikts gleichsam in eine Nussschale gegossen. Da kommt ein ehemaliger Nachbar nach 15 Jahren zurück, um Schulden zu begleichen. Beim Versuch, die Grenze zu überwinden, wurde Aki immer wieder für Jahre ins Gefängnis geworfen. Und beide Seiten blieben ohne Nachricht voneinander. Mit fatalen Folgen, die bis in die Gegenwart hinein wirken. Jette Steckel hat einen wahren Totentanz inszeniert. Das Stück gewährt keinen Moment der Entspannung. Sätze reißen ab, die Musik von Ensemble Resonanz und Steamboat Switzerland lassen ihre Instrumente ächzen und schreien, den Klang bersten. Und der Dirigent Titus Engel tanzt unaufhörlich mit bei diesem Mix aus Zwölftonmusik und Heavy Metal. Wertmüller hat eine ungemein motorische, rhythmisch pointierte Musik geschrieben. Man kann es hören, dass die Familie auch in ihrem Haus nicht sicher ist, dass die Granaten, die im Kopf des Großvaters Zeno ihre Splitter und den Wunsch zu sterben hinterlassen haben, jederzeit durch die Mauern dringen könnten. Josef Ostendorf als Zeno ist, obzwar an Kopf und Geist versehrt, das moralische Herz in dieser Auseinandersetzung zwischen dem Heimkehrer Aki, mutmaßlich Palästinenser, und der mutmaßlich jüdischen Familie. So wie jeder an seiner Wahrheit zugrunde geht, so entäußern sich die Darsteller: Jürgen Sacher schraubt sich in höchste Tenorhöhen, wenn sein Ron um Fassung ringt, Ruth Rosenfeld als Rons Frau Altai fällt von einer Hysterie in die nächste, Holger Falk gestattet seinem Aki zwischen hypermotorischen Anfällen anrührende lyrische Momente. Und die Schauspielerin Tina Keserovic, die sich der 15-jährigen Mira bis in die Stimmfärbung anverwandelt, könnte allein diesen denkwürdigen Abend tragen. Wie jeder einzelne Mitwirkende.“
Verena Fischer-Zernin, neue musikzeitung, Oktober 2015
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
