Rannev, Vladimir

Variationen über einen Impuls

  • für Flöte, Alt-Saxophon, Violine, Klavier und Schlagzeug

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM938
    ISMN
    M-2032-1124-2
    EAN
    978-3-7333-0544-4
    €28.79inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

"Einmal wurde mein achtjähriger Sohn von einer Erscheinung in Staunen versetzt. Wir standen im „Mediamarkt“ in der Warteschlange vor der Kasse, als er ein Regal mit hunderten Miniatur-Schlüssel-Findern bemerkte. Ein solches Gerät wird im Regelfall an einen Schlüsselbund angebunden, und falls man vergisst, wo der Schlüsselbund liegt, muss man einfach pfeifen und das Gerät reagiert darauf mit einem speziellen Signal. Mein Sohn hat es ausprobiert: Er nahm einen Schlüssel-Finder und pfiff einmal –nichts passierte- Stille, er pfiff noch einmal – wieder ohne Ergebnis. Nach dem dritten Versuch antwortete der Schlüssel-Finder in seinen Händen. Danach aber – wie bei einer Kettenreaktion – lebten die hundert anderen Finder auf (….).“
„Produkt placement“ und Neue Musik – ein Kapitel, das vermutlich noch geschrieben werden muss. In „Variationen über einen Impuls“ geht es jedoch vor allem um das Phänomen der asymmetrischen Kommunikation, das der kleine Sohn des 1970 in Moskau geborenen Vladimir Rannev auf so beeindruckende Weise erfahren konnte.
Schon beim ersten Lesen der Partitur wird klar: Das in diesem Jahr mit einem zweiten Preis beim Salvatore Martirano Memorial-Kompositionswettbewerb 2009 der Universität von Illinois ausgezeichnete Werk trägt viele Züge eines stummen Theaterstücks oder eines Balletts. Neben ihren Hauptinstrumenten haben die Spieler von Flöte, Altsaxophon, Violine und Klavier noch weitere Klangerzeuger zu bedienen – kleine Becken etwa, auf denen der Flötist zu spielen hat, Fingerhüte für den Pianisten und Morse-Signale auf der Geige..
Der kleine Besuch im „Mediamarkt“ scheint wirklich ein „Schlüssel(finder)-Erlebnis“ gewesen zu sein. Ein winziger  Impuls – ein Glockenspiel-Tremolo auf dem dreigestrichenen c – setzt ein Räderwerk in Gang, das sich bis zum Schluss nicht in „sangbare“ Musik ergehen will. Stattdessen wird der einsame Impuls der ersten Takte stetig verdichtet und zu eine beängstigenden Kakophonie gesteigert, hinter der die „Lust am Krach“ deutlich zu erahnen ist. Und dessen Batterien noch etwas länger laufen als die der anderen, so sind es hier Klavier und Geige, deren geräuschhafte Klänge ein letztes Mal aufflackern, bevor sie schließlich ersterben. Schöner kann man einen Einkaufsbummel kaum vertonen."

Ensemble 1/2010