Gorton, David

The Mulliner Book Paraphrases

  • für Klavier

Werkangaben

Kompositionsjahr
2024

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM4262
    ISMN
    979-0-2032-7028-7
    EAN
    978-3-7333-3589-2
    €26.79inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

„Dieser Notenband katapultiert den Leser […] in die Vergangenheit […]. Das „Mulliner Book", von dem im Titel die Rede ist, ist eine historisch wertvolle Sammlung von Clavierstücken, die Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden sind. Der Name der Sammlung geht auf den Komponisten und Organisten Thomas Mulliner zurück, der die Stücke – ursprünglich geistliche und weltliche Vokalmusik – zwischen 1558 und 1564 zusammengetragen und für nicht näher bezeichnete Tasteninstrumente transkribiert hat. Die Originalkompositionen stammen von einigen der bedeutendsten Komponisten der Tudor-Epoche: Thomas Tallis, Robert Parsons, John Blytheman, John Redford u. a. Mehr als vierhundert Jahre später nimmt sich der britische Komponist David Gorton (* 1978) das Mulliner-Book noch einmal vor und fertigt von 17 Stücken neue Klavier-Paraphrasen an, in denen er mit dem Material in einer Weise umgeht, die die Handschrift eines Autors der Gegenwart klar zutage treten lässt. Gorton lässt die melodische Substanz weitestgehend unangetastet, so dass die Vorlage in ihren melodisch-kontrapunktischen Konturen stets erkennbar bleibt, bringt aber viele Erweiterungen und Ergänzungen an. So fügt er beispielsweise im Lied „ffonde youthe is a bubble" (nach Thomas Tallis) zwischen die einzelnen Choralphrasen dissonante Tongruppen ein, die der Hörer ebenso als Fremdkörper wie als reizvolle Farbtupfer empfinden kann. Im „poco meno mosso" überschriebenen Abschnitt des „Te Deum" nach John Blytheman setzt Gorton an den Anfang jedes Taktes einen extrem dissonanten fünfstimmigen Akkord, den der 1591 verstorbene Komponist wohl eher mit dem Teufel als mit dem lieben Gott in Verbindung gebracht hätte. Dazu kommen typische Klavierfiguren wie über mehrere Oktaven gespannte Arpeggien oder wogende Sechzehntelketten als Begleitung, die vor allem in der Antiphon „Gloria tibi trinitas" desselben Komponisten gehäuft auftreten. Man fühlt sich an die Paraphrasen Franz Liszts erinnert, zumal die schlackenlose Bewältigung dieses und einiger anderer Stücke eine ausgefeilte Lauftechnik erfordert. Insgesamt ist David Gortons „The Mulliner Book Paraphrases" nur etwas für Pianisten, die eine Vorliebe für die weniger oder noch gar nicht ausgetretenen Pfade haben. Sie werden dort eine musikalische terra incognita vorfinden, die die Mühen lohnt. Die Ausgabe des Verlags Neue Musik präsentiert sich mit einem lesefreundlich gestalteten Notentext sowie Informationen zu Leben und Werk des Komponisten."

Robert Nemecek, PianoNews 1/2026

Abdruck mit freundlicher Genehmigung