
Schnee
- Texte: Ulla Hahn, Mayako Kubo, Franz Werfel
- für Frauenchor, Violoncello und Schlagwerk
Werkangaben
- Besetzung
- Ch(SSAA), Vc, S(1)
- Kompositionsjahr
- 2018
Ausgaben
Leihmaterial
- Artikelnummer
- NM11757
- ISMN
- M-2032-3556-9
Leihweise
Beschreibung
„Für Laienchöre ist es normalerweise fast unmöglich, Werke aus dem Bereich der Neuen Musik, also wirklicher Avantgarde aufzuführen, weil der Notentext zu kompliziert ist und die Anforderungen an die stimmlichen Möglichkeiten der LaiensängerInnen zu hoch sind. Mit „Schnee“ ist im Verlag Neue Musik Berlin allerdings jetzt ein etwa 35 Minuten langes, viersätziges Stück erschienen, das machbar ist und mutigen ChorleiterInnen hier empfohlen sein soll. Mayako Kubo (*1947) war unter anderem Schülerin von Helmut Lachenmann (*1935), ist also mit allen Registern der Neuen Musik sowohl kompositionstechnisch als auch von ihrer Philosophie und Fantasie her vertraut. Für „Schnee“ wählte sie drei Gedichte aus: Im ersten Satz vertont sie einen aphoristisch kurzen Text von Ulla Hahn (*1945) „Vogel im Winter“. Im zweiten Satz verwendet sie die ersten zwei Strophen von Franz Werfels (1890 – 1945) „Der Schneefall“. Für den dritten Satz „Sieh Mutter, Schnee!“ verfasste sie eine deutsche Adaption eines japanischen Gedichtes. Und der vierte und letzte Satz nimmt die letzten Strophen von Werfels Gedicht auf. Auf diese Weise beleuchtet Kubo das Fallen und Schmelzen des Schnees, die Schönheit und Vergänglichkeit der Flocken als Gleichnis für menschliches Kommen, Dasein und Gehen. Eine ganz eigentümliche Klanglichkeit entsteht durch die besondere Besetzung des Werks mit überwiegend vierstimmigem Frauenchor, zwei Sopransolistinnen, Violoncello und buntem Schlagwerk mit Marimba- und Vibraphon, verschiedenen Trommeln und Becken. Die Instrumentalpartien sowie die Gesangssoli müssen professionell besetzt werden, weil besondere Spieltechniken und virtuoser Umgang mit dem Instrument und der Stimme verlangt werden. Der Frauenchorpart aber ist so geschickt gemacht, dass er für gute Laienchöre erreichbar ist: Überall findet man tonale Bezüge zu den Instrumenten, fast immer gibt es einen regelmäßigen Puls der Zeit, sodass der Rhythmus feststeht. Die linear entstehende Harmonik ist nie völlig dissonant oder abstrakt, es entstehen auch mal Dur-Dreiklänge, und es gibt viele Unisono-Passagen mit nur kleinen Abweichungen, sodass der Chor sich nicht „verlieren“ kann. Da Kubo viel mit Musiktheater experimentiert hat, fließen in „Schnee“ zusätzlich auch kleine Performance-Elemente ein. Die Chorsängerinnen rascheln mit ihren Noten, lösen die Choraufstellung auf, wandern umher und müssen auch Geräusche erzeugen. Die Solistinnen sollen zum Teil auch szenisch agieren. Dadurch gewinnt das Stück eine besondere, fast unwirkliche Atmosphäre. Die Partiturausgabe ist groß und gut lesbar. Eine Chorausgabe ohne die Instrumentalstimmen gibt es nicht, da der Verlag die vorliegende Gesamtpartitur für praxisnäher hält. Die Partitur inklusive der Einzelstimmen für Cello und Schlagwerk ist nur auf Anfrage beim Verlag als Leihmaterial erhältlich. Das sollte aber kein Hindernis sein, sich an „Schnee“ heran zu wagen, zumal die Komponistin in Berlin lebt und jederzeit um Rat gefragt werden kann!“
Sabine Wüsthoff, Rezension: „Mayako Kubo: Schnee“, in: Chorzeit – Das Vokalmagazin, Nr. 64 (Oktober 2019), S. 52.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung