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- Artikelnummer
- NM835
- ISMN
- M-2032-0911-9
- EAN
- 978-3-7333-0423-2
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Beschreibung
„Die französische Organistin Marie-Claire Alain besaß einen Bruder, Jehan, der 1942 als junger Soldat bei einer LKW-Kontrolle erschossen worden ist. Er war Komponist und hat eine kleine Reihe von wunderbaren Werken hinterlassen – unter anderem eine Messe für Frauenchor, Flöte und Streichquartett in alten Kirchentonarten: die „Messe modale en septuor“. Eine Musik wie geschaffen für das obskure Licht moderner Architektur, wie es Le Corbusier in seinen Beton-Kathedralen erschaffen hat oder es der Maler Maurits Escher in seinen surrealen Bildern eingefangen hat. Und zugleich eine Form der musikalischen Mimikry, denn als Alain seine Messe im modalen Stil schrieb, da komponierte kein Mensch mehr so. Der frechen und zuweilen frivolen Moderne, wie sie uns aus den Werken der Alain-Zeitgenossen Milhaud, Auric oder selbst des alten Koechlin entgegenschlägt, verweigerte er sich völlig und setzte einen geradezu inbrünstigen Katholizismus entgegen, dessen Klanggewalt auch heute noch ergreift. Warum ich das schreibe? Weil Herbert Peter in seinem wunderbaren Quartett auf ähnlichen Pfaden wandelt wie Alain oder Hindemith ein Menschenalter vor ihm. Sein Quartett für Flöte, Violine, Viola und Violoncello folgt in seiner Dreisätzigkeit (Sonata – Cantus – Fuga) traditionellen Satzmustern, die mit dem harmonischen Material der musikalischen Moderne angefüllt werden. Auch Herbert Peter verweigert sich den neuesten Moden der Avantgarde. 1926 geboren – und damit 20 Jahre jünger als Jehan Alain – ist das sein gutes Recht – vielleicht handelt es sich auch um eine ältere Komposition. Der erste Satz, eine „Sonata“, atmet mit seinen modalen Kadenzen und Sequenzen den Geist der großen italienischen Meister: Namentlich Frescobaldi wäre hier zu nennen. Die motivische Arbeit, die Verzahnung der rhythmischen Muster und die tänzerischen Wechsel zwischen Drei- und Vierertakten könnten – mit einer traditionelleren Harmonik – auch in den „Fiori musicali“ stehen. Protestantisch-deutsch wird es im Mittelsatz: Der als Cantus firmus durchgeführte Choral „Mitten wir im Leben sind“ erinnert uns daran, dass Herbert Peter große Teile seines Lebens als Kirchenmusiker und Lehrer in Eisenach verbracht hat, wo nicht nur Johann Sebastian Bach die Schule besuchte, sondern auch Martin Luther. Und die immer komplexer werdenden Begleitmuster der übrigen Stimmen erinnern uns daran, dass Peter immerhin ein Schüler Erhard Mauersbergers und Kurt Fiebichs gewesen ist. Durch seine strenge Form und das ewig-gleich dahinschreitende Versmaß dürfte er selbst dem ungläubigsten aller Thomasse eine Ahnung der Ewigkeit vermitteln. So auch die Fuge, die mit ihrem großzügig schwingenden Thema und der ebenso großzügigen Anlage mehr als nur eine Ahnung von Gelassenheit vermittelt. Stilistisch bewegt auch sie sich im Mittelfeld zwischen Hindemith, Milhaud, und Hugo Distler (der einem evangelischen Kirchenmusiker natürlich bekannt sein dürfte). De technischen Anforderungen sind wie in den beiden anderen Sätzen eher gering – die Spieler sollten vor allem in der Lage sein, aufeinander zu hören und wirklich sauber zu intonieren, um die zahlreichen harmonischen Nuancen zum Klingen bringen zu können."
Ensemble, Okt./Nov. 2009
