Stendel, Wolfgang

Plateau

  • pour deux pianos

Werkangaben

Kompositionsjahr
2017

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM2774
    ISMN
    M-2032-3447-0
    EAN
    978-3-7333-1991-5
    €34.80inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

„Die Musik für 2 Klaviere erlebt zurzeit einen Aufschwung, wie man ihn bis vor wenigen Jahren noch kaum für möglich gehalten hätte. Einen wichtigen Grund dafür darf man sicher in der enorm gewachsenen Popularität von Klavierduos sehen, die mit der Klangfülle eines ganzen Orchesters konkurrieren können. Der Schauwert des Duo-Abends, bei dem sich die Pianisten die Bälle zuwerfen, tut ein Übriges. Vor allem junge Klavierduos wagen sich immer öfter auch an zeitgenössische Musik, die sie dann so selbstverständlich vortragen, als wäre sie von Mozart. Das ist den Komponisten natürlich auch schon aufgefallen, die dieser Gattung in letzter Zeit erstaunlich viel Aufmerksamkeit schenken. Es überrascht deshalb auch nicht, wenn ein Komponist wie Wolfgang Stendel (* 1943), der vorwiegend für Orchester und Kammerensemble schreibt, sein Oeuvre mit einer Komposition für zwei Klaviere anreichert. Das 2017 entstandene Werk ist deshalb von Interesse, weil poetische Idee und Musik einander durchdringen und sich zu einem vielschichtigen Ganzen fügen. Genaugenommen hat das „Plateau“ betitelte Stück zwei poetische Ideen. Die erste dreht sich um den Begriff Plateau, den Gilles Deleuze „als Zonen kontinuierlicher Variationen oder Türme, von den jeder eine Region überblickt, die einander Zeichen geben“ definiert. Das klingt zunächst sehr abstrakt, lässt sich aber gut auf Stendels Komposition anwenden, in der das anfangs vorgestellte Material – eine auf- und absteigende Akkordfolge in freitonaler Diktion und ein wuchtiges rhythmisches Signal – in sechs pausenlos ineinander übergehenden Abschnitten kontinuierlich variiert wird. Die Türme sind natürlich die Pianisten. Jeder überblickt seine Region, und sie verständigen sich durch Zeichen. Die betont expressive Sprache – Seufzermotive, starke Kontraste, extreme Dynamik – verweist auf die zweite poetische Idee: trauerndes Gedenken. Der, dessen da gedacht wird, ist der vor sechs Jahren verstorbene Pianist Harvey Lavan Cliburn. Leider erfährt man an keiner Stelle, in welcher Beziehung Stendel zu dem Pianisten steht. Aber das spielt letztlich keine Rolle. Entscheidend ist einzig und allein, dass Stendel ein Stück für zwei Klaviere gelungen ist, das sich in Sprache und Ausdruck unmittelbar erschließt und pianistisch keine exorbitanten Anforderungen an die Spieler stellt."

Robert Nemecek in PIANONews 2-2019 www.pianonews.de

Abdruck mit freundlicher Genehmigung