Gelmini, Caspar de

Limes

  • für Streicher-Ensemble

Werkangaben

Besetzung
5.4.3.2.1
Kompositionsjahr
2011

Ausgaben

  • Leihmaterial

    Artikelnummer
    NM11286
    ISMN
    M-2032-1688-9
    Leihweise

Beschreibung

„Limes entstand als Kompositionsauftrag des Ensembles „Musica Vitae“ in Växjö. Es entstand unmittelbar nachdem ich mein Ensemblestück „Hachiko“ beendet hatte. „Limes“ heißt im mathematischen Sinne „Grenzwert“ aber auch „Grenzwall“ in Bezug auf den Grenzwall des römischen Reichs. „Limes“ kann man aber auch grundsätzlich als Mauer verstehen, die zwei Länder voneinander trennt. In diesem Sinne ist es auch als Reminiszenz an die deutsche Mauer zu verstehen, inspiriert durch die Bilder des Films „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders, aber auch die Fotographien von Bernd und Hilla Becher (Typologie industrieller Bauten im Ruhrgebiet), oder die Skulpturen von Richard Serra.
 
In ästhetischer Hinsicht habe ich versucht, Dinge miteinander in Bezug zu bringen, die in diesem Sinne noch nicht in Bezug gebracht worden sind. Nach der Auffassung von Helmut Lachenmann gibt es keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte. Die ästhetische Herausforderung besteht nicht mehr darin, klangliches Neuland zu entdecken, sondern die ästhetischen Positionen zu hinterfragen, indem man sie neu in Verbindung setzt:
 
Davon handelt Limes. Es werden buchstäblich die Grenzen durchbrochen; von einer spektralen Haltung bei Grisey hin zu einer geräuschhaften bei Lachenmann, und zwar mit Hilfe einer akustischen Kreuzblende. Das vierteltönige, mit Skordatura verstimmte Flageolett wird in das Lachenmannsche Halbdruckflageolett überführt, bis hin zum Rauschklang auf dem Steg oder Holz. In diesem Sinne entstehen akustische Kadenzen, Spannungsverläufe vom Geräusch zum Flageolett und wieder zurück.
 
Nicht mehr Melodien sind wichtig, sondern die Texturen. Die Texturen entstanden mithilfe von algorithmischen Verfahren mit dem Computer. Texturen sind keine Melodien, keine Harmonien, sondern die Architektur des Klanges. Diese Idee nenne ich „texturelle Musik“.
 
In diesem Werk für das Ensemble „Musica Vitae“ in Växjö mit ihrem Dirigenten Michael Bartosch kommt dieses ästhetische Prinzip zur Anwendung.“

Caspar de Gelmini