Müller, Alfred Thomas

Lebenslinien

  • für Klavier

Werkangaben

Kompositionsjahr
2020

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM3116
    ISMN
    M-2032-5730-1
    EAN
    978-3-7333-2374-5
    €14.80inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

„Satztechnisch stark verdichteter, hoch dissonanter Stil mit Phasen serieller, sonoristischer oder motorischer Anmutung, musikalisch angesiedelt zwischen expressiver Geste und motorischem, teils brüskem Spieltrieb der häufig zu weiten Sprüngen angehaltenen und über Kreuz geforderten Hände. Sieben in freier Folge aufführbare, mit satztechnisch charakteristischen Merkmalen (Kreuzkanon, Arpeggio-Varianten, Akkordtürme, im Tempo variierte Akkordwechsel beider Hände, Repetitionen kleiner Toncluster, Trillerfakturen, Halo-Klänge) versehene Miniaturen. Sich vielfältig begegnende, kreuzende Lebenslinien zwischen Deutschland Ost und West: Der Titel legt die konzentrierte Abhandlung eines langen Komponisten-Daseins in Tönen nahe, das der Hallenser mit dem mittlerweile 91-jährigen Widmungsträger Werner Heider gemeinsam hat."

Michael Zwenzner, neue musikzeitung, Mai 2021

Abdruck mit freundlicher Genehmigung


„Kraft ihres zeitlichen Nacheinanders kann Musik eines besonders gut: mit Tönen lineare Abläufe nachzeichnen. Ergo geht das auch mit Lebenslinien, in denen das Auf und Ab des Lebens in abstracto wiedergegeben ist. Das ist zweifellos die Grundidee hinter Alfred Thomas Müllers (* 1939) siebenteiligem Klavierstück „Lebenslinien", zumal Müllers Leben als Komponist, Dirigent, Pianist und Pädagoge (laut mitgeliefertem, tabellarischen Lebenslauf) recht abwechslungsreich verlaufen ist. Tatsächlich lässt sich in den meisten Stücken eine den Gesetzen der Linie folgende Gestaltungsweise ausmachen. Gleich das erste Stück wartet mit skalenhaften Tonfolgen auf, die umso mehr ins Auge fallen, als Müller dies mit Sechzehntelbändern unterstreicht. Im dritten Stück scheint er die Akkorde auf einer Zickzack-Linie postiert zu haben, während im vierten Stück Zickzack-Linien und gerade Verläufe einander abwechseln. […]

In einem weitergefassten Sinne spiegeln auch verschiedene musikalische Entwicklungsstränge Müllers Lebenslinien wider: Verdichtung, Steigerung, Übergänge vom Punkt zur Linie, von der Vertikale zur Horizontale u.a. Die atonale Tonsprache ist extrem dissonant und erinnert, auch wegen der freien Rhythmen, an Schönbergs Klavierstücke op. 11. Doch im Unterschied zu diesen merkt man den „Lebenslinien" den erfahrenen Pianisten an. Insbesondere die Akkordtremoli des vierten Stückes sind ganz pianistisch gedacht, auch wenn die Nonenakkorde (in beiden Händen) nicht gerade angenehm zu greifen sind. Interessant ist die offene Form des Zyklus. Man kann die Stücke der Reihenfolge nach durchspielen oder diese variieren. Deshalb gibt es die Lebenslinien zwei Mal: a. in einer festgelegten, b. In einer offenen Version, die auf losen Blättern vorliegt. Für die offene Version empfiehlt der Komponist, „die gewählte Reihenfolge vorher festzulegen". In jedem Fall wird der Plural von Lebenslinien noch pluraler als er schon ist, da aus der variablen Anordnung der Stücke stets ein anderes Werkganzes resultiert. „Lebenslinien" ist folglich nicht nur ein Klavierstück, sondern ganz viele. Die Kunst macht's möglich."

Robert Nemecek in PIANONews 2-2021 www.pianonews.de

Abdruck mit freundlicher Genehmigung