Finnissy, Michael

Koralforspill (Choralvorspiele)

  • für Klavier

Werkangaben

Kompositionsjahr
2012

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM2459
    ISMN
    M-2032-3059-5
    EAN
    978-3-7333-1663-1
    €23.80inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

"In einem Kommentar auf YouTube zu Michael Finnissys „English Country Tunes“ schreibt ein Blogger: „Wenn ich einen Klavierladen hätte, und Michael Finnissy würde bei mir ein neues Klavier kaufen wollen, würde ich ihn rausschmeißen.“ Ziemlich starker Tobak. Der 71-jährige britische Komponist und Pianist Michael Finnissy ist offensichtlich nicht jedermanns Sache. Wer in die „English Country Tunes“ mal hineingehört hat, wird vielleicht sogar verstehen, was den Mann so aufgebracht hat. Denn wer den Titel anklickt, um sich von englischen Volksliedern unterhalten zu lassen, bekommt stattdessen eine wüste Klangorgie geboten, bei der einem Sehen und Hören vergeht. Sollte Finnissy tatsächlich englisches Liedgut verarbeite haben, dann ist es in den gewaltigen Schwärmen von gefühlt Millionen Tönen sang- und klanglos untergegangen. Wer einen etwas breiteren musikalischen Horizont hat, wird freilich schnell erkennen, dass Finnissys Musik bestimmte Avantgarde-Traditionen des 20. Jahrhunderts fortsetzt und deren Möglichkeiten bis zum Exzess ausreizt. Heißt: Finnissys Musik ist megakomplex und hypervirtuos. Wer konsequent nach schlichteren Weisen im Werkkatalog dieses schwierigen Komponisten sucht, der wird am Ende aber doch fündig. Die vom Verlag Neue Musik Berlin herausgegebenen „Choralvorspiele“ für Klavier (Koralforspill) sind so ein Fall. Finnissy knüpft damit ganz offensichtlich an Busonis berühmte Choralvorspiele für Klavier solo an, die letztlich Klavierbearbeitungen der ursprünglich für Orgel geschriebenen Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach sind. Wer bei Finnissy nach bekannten Chorälen sucht, der sucht allerdings vergebens, da die Vorlagen aus ganz anderen Kulturkreisen kommen. Die ersten vier Stücke basieren auf religiös motivierten Volksweisen aus Norwegen und zeugen einmal mehr vom vitalen Interesse des Komponisten an der norwegischen Volksmusik, die er auch im Klavierzyklus „Folklore“ verarbeitet hat. Den anderen vier Choralvorspielen liegen alte Choräle aus den Südstaaten zugrunde, die sich sämtlich mit dem Thema Tod befassen. In zwei Choralvorspielen hat Finnissy mehr oder weniger Bekanntes eingearbeitet, das bei jedem Pianisten ein akustisches Déjà-vu auslösen dürfte. Das fünfte Choralvorspiel ist nämlich stilistisch und satztechnisch an Busonis Bearbeitung von Bachs Choral „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ angelehnt: federnde Bassstimme, Choralmelodie in der Mitte und Sechszehntelketten im Diskant. In Choralvorspiel Nr. 7 ist die Begleitstimme hörbar dem Streichermotiv aus dem „Recordare“ aus Mozarts Requiem nachgebildet. Finnissys Bearbeitungspraxis ist sehr frei, harmonisch komplex (bis zur Atonalität) und ornamental. Bei entsprechender Eingewöhnung erschließen sich schlichter gebaute Choralvorspiele wie die Nummern vier – Largo misurato e scorrendo – und sechs – semplice, commovente – dem Ausführenden relativ schnell. Wenn Finnissy seiner Neigung nachgibt, die Choralmelodie mit mehreren frei flottierenden Stimmen auszuschmücken (Choralvorspiel Nr. 2) oder dem Satz kontrapunktisch so zu verdichten, dass die Choralmelodie darin verschwindet (Nr. 7), verliert man allerding schnell die Orientierung. Dass da nur sehr erfahrene Pianisten überhaupt noch durchsteigen, versteht sich praktisch von selbst."

Robert Nemecek in PIANONews 5-2017 www.pianonews.de


„Denken Sie an das Beispiel des New-Complexity-Komponisten Michael Finnissy, bei dem ich auch einen Meisterkurs besucht habe. Seine Musik ist voller Energie. Die Noten sehen so komplex aus, so detailliert. Auf den ersten Blick wirkt es unspielbar, geradezu unsingbar. Aber wenn man etwa hört, wie Finnissy seine eigenen Kompositionen spielt, zum Beispiel die „English Country Tunes“ für Klavier, dann spürt man die Wucht der Leidenschaft. Ich bewundere diesen großen Komponisten, er ist sehr emotional in seiner Musik und das ist so wunderbar.“

Der Komponist Eriks Ešenvalds im Gespräch mit Burkhard Schäfer, neue musikzeitung, Juli/August 2020

Abdruck mit freundlicher Genehmigung