Werkangaben
- Kompositionsjahr
- 1987
Ausgaben
Kaufmaterial
- Artikelnummer
- NM1452
- ISMN
- M-2032-1838-8
- EAN
- 978-3-7333-0965-7
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Beschreibung
Es ist gar nicht so leicht zu beschreiben, was den besonderen Reiz der Musik des 1946 im rumänischen Klausenburg geborenen Gabriel Iranyi ausmacht. Der renommierte Musikwissenschaftler Elmar Budde schreibt über ihn: „Gabriel Iranyi ist mir als ein Komponist von Werken bekannt, die sich auf besondere Weise sowohl durch den tiefen Ernst der Diktion, als auch durch ihre unverwechselbare handwerkliche Gediegenheit auszeichnen.“ Der in Berlin lebende Iranyi studierte Komposition an der „George Dima“-Musikakademie der Klausenburger Universität bei Sigismund Todutza (einem früheren Schüler von Pizetti und Casella), schloss 1971 seine Studien mit dem Master of Arts in Komposition ab und erhielt seine erste Stelle als Dozent für Kontrapunkt in Jassy (Rumänien) an der George-Enesco-Musikhochschule. 1977 wanderte der jüdische Komponist nach Israel aus und unterrichtete Formenlehre, Kontrapunkt und Musiktheorie an der Rubin-Academy of Music in Tel Aviv, bevor er 1988 nach Berlin zog.
In seiner Musik setzt sich Iranyi gerne mit äußeren Einflüssen auseinander. Das kann die Musik eines anderen Komponisten sein – wie in den Chopin-Resonanzen, in denen die Frage aufgegriffen wird, inwieweit die Musik und Ideenwelt Chopins zeitgenössische Komponisten beeinflussen kann. Oder die spielerische Farbigkeit der Bilder von Marc Chagall. In seiner 1987 entstandenen Hommage – großflächig und zugleich poetisch angelegt – spiegelt sich diese Farbigkeit und Unberechenbarkeit des großen Malerpoeten in der scheinbar unbekümmerten Art, in der so unterschiedliche Elemente wie jüdischer und christlicher Liturgiegesang mit kristallklaren Akkordballungen und brillanten Arpeggien versehen werden.
Ganz anders die Chopin-Resonanzen, die man als „moments musicaux“, als musikalische Augenblicksgedanken bezeichnen könnte. Außer Chopin hat wohl nur noch Liszt die Musik seiner Zeit in den Bereich erweiterter Musikalität getrieben und das reizt einen musikalischen Entdecker wie Iranyi natürlich. Seine fünf kurzen Stücke basieren auf „kurzen strukturellen Elementen Chopin’scher Provenienz“, die mit den Mitteln der Neuen Musik weiter entwickelt werden. Ein kurzes rhythmisches 1-Ton-Motiv (aus der Étude Nr. 11, op. 25) wird in immer dichtere Rhythmen verwandelt, ein anderes Mal wird ein einziger c-Moll-Akkord – der nach seiner Gestik sofort an das Prélude Nr. 20 erinnert – allmählich harmonisch und dynamisch verfremdet und mündet schließlich in ein Seufzermotiv. Ein „Prestissimo“ ruft die Gestik des IV. Satzes der b-Moll-Sonate hervor; die Tonfolgen kombinieren symmetrische und asymmetrische Gruppierungen und verlangen vom Interpreten höchste technische Virtuosität und mit einem „lento“ überschriebenen Epilog schließt sich der Kreis, bevor die ruhig leuchtenden Töne in den höchsten Registern verschwinden.
PIANONews 7/8-2012 www.pianonews.de
