Finnissy, Michael

Fourth Political Agenda

  • für Klavier

Werkangaben

Kompositionsjahr
2019

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM2994
    ISMN
    M-2032-3784-6
    EAN
    978-3-7333-2240-3
    €17.79inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

„Denken Sie an das Beispiel des New-Complexity-Komponisten Michael Finnissy, bei dem ich auch einen Meisterkurs besucht habe. Seine Musik ist voller Energie. Die Noten sehen so komplex aus, so detailliert. Auf den ersten Blick wirkt es unspielbar, geradezu unsingbar. Aber wenn man etwa hört, wie Finnissy seine eigenen Kompositionen spielt, zum Beispiel die „English Country Tunes“ für Klavier, dann spürt man die Wucht der Leidenschaft. Ich bewundere diesen großen Komponisten, er ist sehr emotional in seiner Musik und das ist so wunderbar.“

Der Komponist Eriks Ešenvalds im Gespräch mit Burkhard Schäfer, neue musikzeitung, Juli/August 2020

Abdruck mit freundlicher Genehmigung


„Mit seinen 76 Jahren ist der Brite Michael Finnissy (* 1946) so etwas wie die graue Eminenz aller Tonkünstler, die sowohl als Pianisten wie als Komponisten durchs Leben gehen. Auf beiden Feldern hat Finnissy ungemein vital und anregend gewirkt. Unglaubliche 300 Uraufführungen zeitgenössischer Klaviermusik gehen auf sein Konto. Die 61 Kompositionen, die der Verlag Neue Musik von ihm im Katalog hat, stellen nur einen Bruchteil seines Gesamtschaffens dar. Außerdem hat Finnissy viele Jahre an mehreren bedeutenden Musikakademien als Pädagoge gearbeitet. Von 1990 [bis 1996] war er Präsident, danach Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Dass ein so vielseitig begabter Künstler wie Finnissy nur einer kleinen Schar von Eingeweihten bekannt ist, liegt wohl vor allem daran, dass er ausschließlich auf dem Feld der zeitgenössischen Musik aktiv ist. Dazu kommt, dass er in seiner Musik immer wieder die Grenzen des Spielbaren überschreitet, was bei Pianisten nicht immer gut ankommt. Das Klavierstück all.fall.down ist ein Paradebeispiel für diese Art von hyperkomplexer Klaviermusik. Auf vierzehn Seiten hat Finnissy gefühlte Einhunderttausend Noten untergebracht, die sich wie ein Tsunami über die ganze Tastatur ergießen. Finnissy fordert vom Interpreten „Maximum possible velocity: hands exactly co-ordinated." Das ist eigentlich unmöglich. Aber eine auf YouTube zu hörende Wiedergabe [...] [mit Ian Pace am Klavier] beweist das Gegenteil. [...].

Wesentlich einfacher gehalten ist der dreiteilige Klavierzyklus Fourth Political Agenda aus dem Jahr 2019, den man fast schon als altersmilde bezeichnen könnte. Aber auch da gibt es Ecken und Kanten, was schon durch die eigenwilligen, an Satie erinnernden Titel der drei Stücke nahegelegt wird. Poached Egg (in Semi-Egyptian Style) kultiviert eine Art deformierter Zweistimmigkeit, in Queer Caballero zieht Finnissy den neo-tonalen Stil durch den Kakao, und Rough Treatment (Nr. 3), das dissonanteste aller Stücke, macht mit post-spektralen Strömungen kurzen Prozess. Offensichtlich liegt der Fourth Political Agenda eine kritische Haltung des Autors zugrunde, die sich allerdings dem, der nur die Noten vor sich hat, nicht so recht erschließen will. Vielleicht bringt einen die Lektüre des Buches „Critical Perspectives on Michael Finnissy" von Ian Pace und Nigel McBride weiter. Fourth Political Agenda wurde von Pace anlässlich der Erstveröffentlichung eben jenes Buches in Auftrag gegeben."

Robert Nemecek in PIANONews 4-2022 www.pianonews.de