Werkangaben
- Reihe
- Neue Gitarrenmusik für Musikschule und Jugend Musiziert
- Herausgeber
- Mangold, Maximilian
Ausgaben
Kaufmaterial
- Artikelnummer
- NM2199
- ISMN
- M-2032-2666-6
- EAN
- 978-3-7333-1413-2
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Beschreibung
"Der Mannheimer Gitarrist und Dozent Maximilian Mangold ist Herausgeber der Reihe Neue Gitarrenmusik für Musikschule und Jugend Musiziert, womit er wirklich neue Musik meint und nicht etwa den x-ten Aufguss von Soft-Fingerpickings. Dafür hat er sich um Ideen und um Komponisten gekümmert und vor ein paar Monaten drei neue Ausgaben vorgelegt: (...) einfacher, wohl aber rhythmisch trickreich, sind die Drei Miniaturen für Gitarren-Trio von Timo Jouko Herrmann, Jahrgang 1978. Schräg, mutig, witzig und pointiert. Zählen? Hören, Leute, hören! (...)"
Wieland Ulrichs in AKUSTIK GITARRE 1-2016
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
„Der Komponist
Timo Jouko Herrmann, (* 1978 in Heidelberg) studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Komposition bei Ulrich Leyendecker sowie Musikwissenschaft bei Herrmann Jung, bei dem er auch promovierte. Weitere Impulse und Anregungen erhielt er von den Komponisten Hermann Schäfer, Krzysztof Meyer, Detlev Glanert, Roberto Doati und Wladimir Zagorzew. Er schrieb u. a. Werke für das Gewandhaus zu Leipzig, die Oper Dortmund, das Theater für Niedersachsen Hildesheim, das Philharmonische Orchester Heidelberg, die Opernschule der Mannheimer Musikhochschule, sowie das Sinfonieorchester der Justus-Liebig-Universität Gießen. Daneben verfasste er Auftragswerke für Festivals wie die Heidelberger Biennale für Neue Musik oder die Konzertreihe „kontrapunkte" Speyer. Seine Werke erschienen beim Verlag Neue Musik Berlin und beim Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig in Druck.
Für sein Schaffen erhielt er diverse Auszeichnungen, darunter den Kompositionspreis der SAP AG und der Stadt Walldorf, ein Stipendium der Wilhelm-Müller-Stiftung sowie den 1. Preis beim Hochschulwettbewerb der Mannheimer Musikhochschule. Beim vom Goethe-Institut Mannheim-Heidelberg 2005 ausgelobten Wettbewerb „Goethe vs. Schiller“ gewann er den 2. Preis. Im Rahmen des Berliner Opernpreises wurde er 2006 als Finalist nach Berlin eingeladen. 2011 wurde sein Werk „Andraitx – Pomegranate Flowers“ als Finalwerk des internationalen Wettbewerbs „Soli fan tutti“ vom Hessischen Staatstheater Darmstadt ausgezeichnet und auf CD veröffentlicht. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit ist Herrmann auch als Violinist und Ensembleleiter aktiv und wurde mit dem Gebrüder-Graun-Preis sowie einem Stipendium der Vereinigung „Yehudi Menuhin – Live Music Now“ ausgezeichnet. Als Gastdirigent leitet er regelmäßig die Heidelberger Sinfoniker und das Mannheimer Mozartorchester. Durch die Wiederentdeckung des von Salieri und Mozart gemeinsam vertonten Freudenliedes „Per la ricuperata salute di Ofelia“ KV 477a erlangte er weltweite Bekanntheit.
Die Gitarrenwerke
Neben den „Drei Miniaturen“ für Gitarrentrio schrieb Timo Jouko Herrmann „La Lira d’Orfeo“ für Gitarre solo (Maximilian Mangold gewidmet) und eine „Sonatine“ für Gitarre und Harfe (M. Mangold und Mirjam Schröder gewidmet). Alle Gitarrenwerke sind im Verlag Neue Musik Berlin veröffentlicht.
Die Tonsprache
Das Komponieren für Kinder und Jugendliche ist Timo Jouko Herrmann ein besonderes Anliegen. Für ihn legt ein besonderer Reiz darin, sich zwar dem spieltechnischen Niveau von Musikschülern anzupassen, aber trotzdem seine genuine Tonsprache beizubehalten.
Seine Musik soll ohne komplizierten ideologischen Überbau und ausladenden Erklärungen auskommen und in ihrer dramaturgischen Überzeugungskraft für sich sprechen. Als aktiver Geiger geht er häufig zunächst von der melodischen Linie des Einzelinstruments aus. Seine Musik ist grundsätzlich atonal, aber nicht ohne Gesetzmäßigkeiten. Für den Hörer nachvollziehbare Zentraltöne, wieder erkennbare Akkord- und Intervallstrukturen sowie deren Varianten bilden das Grundgerüstseiner Werke. Eine klare und plastische Formsprache zeichnet alle seine Kompositionen aus. Dabei besitzt er eine besondere Vorliebe für konzentrierte, aphoristische Strukturen.
„Drei Miniaturen für Gitarrentrio“
Dies zeigt sich auch in seinen „Drei Miniaturen für Gitarrentrio“ welche aus Anlass des Jugend musiziert-Wettbewerbs in der Kategorie Neue Musik 2014 komponiert wurden. Die uraufführenden Gitarrist*innen waren Ina Bertz, Martin Koloseus und Luca Weigand (Gitarrenklasse Maximilian Mangold an der Musikschule Mannheim). Das Trio erhielt u.a. damit beim Bundeswettbewerb in Braunschweig einen 3. Preis.
Bei einer Gesamtlänge von gut drei Minuten fallen die einzelnen Sätze entsprechen kurz aus. Initialer Gedanke jeder Miniatur ist das Kreisen um ein bestimmtes Intervall. Im „Precipitando“ werden die kurz artikulierten fast durchgängig aufsteigenden Quarten von einer abwärts gerichteten chromatischen Legatolinie kontrastiert. Die weitaufgefächerte Setzweise der Eröffnungsminiatur schrumpft im Nachsatz auf eine Sekundrepetition zusammen, welche im vorletzten Takt noch mal mit der aufsteigenden Quartreihe konfrontiert wird. Das „Affetuoso“ erinnert in seine pointilistischen Charakteristik und seiner von Pausen zerklüfteten Struktur stark an Anton Webern. Es dominiert der Tritonus. Im Gegensatz zur komplementären Anlage des ersten Satzes finden sich die drei Stimmen in der Mitte des „Affetuosos“ zu einer homophonen Struktur zusammen. Kompositorisches Grundmaterial im „Allegro con moto“ sind Fragmente einer Ganztonleiter und das Intervall der Quinte. Die Motorik des „Precipitando“ wird wieder aufgenommen. Die auseinanderstrebenden Linien werden jedoch hier zu Repetitionen zusammengeführt. Durch die unterschiedliche Bewegungsrichtung des Quintintervalls entsteht der Eindruck einer stehenden Quintrepetition. Das „Allegro con moto“ mündet in eine „Conclusio“, die als zusammenfassendes Panorama nochmals Elemente aller drei Miniaturen aufgreift und zueinander in Beziehung setzt.
Pädagogische Überlegungen
Die „Drei Miniaturen“ sind in ihren technischen Anforderungen nicht schwer, erfordern jedoch ein hohes Maß an aufmerksamem Aufeinander-Hören, rhythmisch präzisem Zusammenspiel und eine klanglich differenzierte Gestaltung. „Precipitando“: Für alle Spieler*innen erfolgt eine bewusste Einteilung der ungeraden Takte. Das heißt z.B. 2 + 3 oder 3 + 2 im 5/8-Takt sowie der 7/8-Takt in 2 + 2 +3. Die Schüler*innen erarbeiten den Satz mit lautem Mitzählen, da es viele, wenngleich auch nur kurze Pausen gibt. Im „Affetuoso“ empfiehlt es sich, einzelne Intervalle, z.B. Takt 1, Zählzeit 2, große Sekunde oder Takt 2, Zählzeit 2, kleine Sekunde, herauszugreifen und auszuhören, um die spezifische Reibung einzelner Dissonanzen erfahrbar werden zu lassen. Dadurch wird der Farbenreichtum dieses Satzes deutlich. „Allegro con moto“: Besonderes Augenmerk gilt hier der sich stark verändernden Dynamik auf engstem Raum.“
Maximilian Mangold, Auftakt, 3-2018
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
