Werkangaben
- Kompositionsjahr
- 2016/17
Ausgaben
Kaufmaterial
- Artikelnummer
- NM2858
- ISMN
- M-2032-3591-0
- EAN
- 978-3-7333-2094-2
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Beschreibung
Aufnahme des ersten Teils von Sam Haydens 7-sätzigen Werk 'Becomings', interpretiert von Ian Pace...
Die Aufnahme von Sam Haydens Gesamtwerk für Klavier solo ist auf Métier (Divine Art Recordings Group) erschienen...
„Anknüpfung an die New Complexity, im hypervirtuosen Gestus angesiedelt zwischen Stochastik und Serialismus, jedoch durch spektrale Bezüge klanglich individuiert und sensorisch feingetunt. Wechselnde Dichtegrade der Texturen zeitigen anhaltende diskursive Angespanntheit. Fünf Sätze, die auch einzeln und in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden können. Extreme Komplexität der Zeit- und Tonhöhengestaltung: Proportionen in vielfältigsten Überlagerungen bis hinunter zur 256stel-Ebene; maximale Gestaltvielfalt im Ausloten des gerasterten Tonraums. Extrem ausdifferenzierte traditionelle Notation, die trotz komplexer Vielschichtigkeit durchweg mit zwei Notensystemen auskommt. Aufwändig inszeniertes Werden der Musik kraft geistiger und pianistischer Anstrengung. Kontrolliert wuchernder Ausbruch aus einfach gestrickten Komponierregeln, resultierend in enormer Oberflächendiversität bei formaler Kohärenz. Aktiviert die Zoomfunktion des Hörens.“
Michael Zwenzner, neue musikzeitung, Juni 2018
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
„Der Verlag Neue Musik Berlin ist bekannt dafür, dass er Werke der neuen Musik herausbringt, die vom Mainstream ungefähr so weit entfernt sind wie der späte Beethoven von Heino. Minimal Music, oder Crossover wird man hier ebenso vergeblich suchen wie Neoklassik oder Neoromantik. Im Falle seiner jüngsten Edition bleibt der Verlag dieser Linie in einer Weise treu, die angesichts des in der Musik ebenso wie in anderen Bereichen grassierenden Easy-Going-Wohlfühltrends fast schon verwegen anmutet. Denn bei Sam Haydens 2017 komponiertem Klavierwerk mit dem vielsagenden Titel „Becomings“ (Das Werden) handelt es sich um ein – bis jetzt – fünfteiliges Klavierwerk komplexester Natur, das in der vorliegenden Edition genau 100 Seiten (Querformat) einnimmt. Die fünf Stücke dürfen dem Komponisten zufolge aber auch einzeln und in anderer Reihenfolge gespielt werden. Obwohl der Terminus technicus in Haydens Kommentar nicht fällt, darf man mit Fug und Recht von einer „offenen Form“ sprechen.
Kompositionstechnisch befindet sich das Werk auf der Höhe der Zeit. Hayden verbindet nämlich das Komponieren mit Algorithmen mit Kompositionstechniken der Spektralmusik. [...] Die beiden Sphären fließen so ineinander, dass man sie ohne aufwändige Analysen ebensowenig voneinander unterscheiden kann wie den subjektiven vom algorithmischen Anteil. Die Anforderungen an den Pianisten sind immens, und manchmal überschreiten sie sogar die Grenzen des Spielbaren. Das liegt vor allem an den rhythmischen Verhältnissen. Kein Mensch ist in der Lage, mehrfach ineinander verschachtelte irrationale Rhythmen genau wiederzugeben, zumal dann, wenn dies mit hohen Tempi und weiten Sprüngen in beiden Händen verbunden ist. Die systematische Überforderung gehört freilich zum Programm der „New Complexity“ genannten Richtung, wobei die entstehenden Unschärfen eingeplant sind. Was daraus im Idealfall entsteht, hat Hayden im Vorwort zu „Becomings“ wie folgt zu beschreiben versucht: „Das Stück oszilliert konstant zwischen dichtem, energetischem, hyper-virtuos-gestischem Material und Momenten relativer Klarheit […] Die klingende Oberfläche changiert fortwährend zwischen Ebbe und Flut, Verschmelzung und Auflösung, basierend auf einem instabilen Kontinuum zwischen Computer-generierten Tonfolgen und quasi-spektralen harmonischen Feldern.“ Pianisten, die sich darauf einlassen wollen, sollten Finger aus Stahl und viel Sitzfleisch mitbringen.“
Robert Nemecek in PIANONews 3-2019 www.pianonews.de
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
