Iranyi, Gabriel

Anamorphosen II

  • für Klavier zu 4 Händen

Werkangaben

Kompositionsjahr
2015-17

Ausgaben

  • Kaufmaterial

    Artikelnummer
    NM2777
    ISMN
    M-2032-3451-7
    EAN
    978-3-7333-1994-6
    €28.79inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

"Poetischer Konstruktivismus. Hochchromatische Erkundungen verschiedener Bewegungs- und Satztypen im eng verwobenen Duostil. Im Dienste der formalen und dramaturgischen Gestaltung werden jeweils bestimmte optische, akustische, kinetische Phänomene kompositorisch verarbeitet. Drei attacca zu spielende Teile: 1. Konturen: rhythmisch vielgestaltiges Durchmessen des Tonraums anhand additiv gebildeter, minimal variierter Intervallfolge. 2. Harmonien: dissonante Akkordik wechselnder Dichtegrade. 3. Bewegungen: Hetzjagd sich überlagernder Läufe, Triller, Spielfiguren. Pianistisch dankbares, dramaturgisch überzeugendes, grundsolide komponiertes Triptychon, das durch die Übertragung der Idee der Anamorphose (die für die normale Ansicht verzerrt gezeichnete Darstellung eines Gegenstandes) zur interessanten musikalischen Wahrnehmungsstudie avanciert."

Michael Zwenzner, neue musikzeitung, Juni 2019

Abdruck mit freundlicher Genehmigung


„Als Anamorphosen bezeichnet man für gewöhnlich perspektivisch stark verzerrte Bilder, in denen das Dargestellte nur unter einem bestimmten Blickwinkel oder mithilfe eines speziellen Spiegels erkennbar wird. Renaissance-Maler wie Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Hans Holbein haben die Anamorphose meisterhaft beherrscht. Man findet diese Technik aber auch in anderen Künsten, der Bildhauerei oder eben auch in der Musik, wo man zumindest auf ähnliche Techniken stoßen kann. Sie dienen nicht selten dazu, geheime Botschaften zu übermitteln. Das lässt sich anhand von Alban Bergs Kammerkonzert oder auch etlichen Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch einwandfrei belegen. Wenn ein Komponist den Begriff Anamorphose zum Titel seines Werkes macht, dann kann das allerdings nur bedeuten, dass es sich eher um ein harmloses Versteckspiel handelt, das sogar darauf angelegt ist, dass die geheimen Botschaften aus dem Verborgenen geholt und enträtselt werden können. Vieles spricht dafür, dass die in den Jahren 2015/2017 verfassten „Anamorphosen II“ für Klavier zu vier Händen des in Rumänien geborenen, heute in Berlin lebenden Komponisten Gabriel Iranyi (* 1946) genau so verstanden werden müssen. Die Komposition gliedert sich in drei etwa gleich lange Teile, die attacca ineinander übergehen. Iranyi versieht sie mit Titeln, die bestimmte Eigenschaften der Stücke wiedergeben. „Konturen“, so der Titel des ersten Stücks, spielt auf die durchgängig vom Bass bis in höchste Diskantregionen aufsteigenden Tonfolgen an.Die melodischen Konturen werden zusätzlich durch gestrichelte Bögen verdeutlicht. Kontrastierend dazu ist das zweite Stück, „Harmonien“, zur Gänze akkordisch konzipiert. Die sind jedoch sehr dissonant, und sie variieren in Struktur, Dichte (auch Cluster), Ambitus (von der Terz bis zur None) und Dauer. Der Titel des Schlussteils, „Bewegungen“, ist auf die gegensätzlichen Bewegungsformen der Komposition zu beziehen, die sich zum einen in rasenden Sechzehntelketten, zum anderen in statischen Klangfeldern manifestieren. Jede dieser Bewegungsarten ist auch in sich reich ausdifferenziert. […] Die Aufgaben sind gleichwertig auf Primo und Secondo verteilt. Die Spieler sollten einige Erfahrung in der Interpretation von zeitgenössischer Musik mitbringen.“

Robert Nemecek in PIANONews 5-2018 www.pianonews.de


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