Meierott, Florian

1945

  • für Violine solo

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    Artikelnummer
    NM1241
    ISMN
    M-2032-1522-6
    EAN
    978-3-7333-0748-6
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Beschreibung

„Alles Verlorensein, alle Zerrissenheit und Perspektivlosigkeit des Nachkriegssommers spiegeln sich in den hohlen Anfangsklängen der Komposition, erst allmählich entstehen aus Fetzen Strukturen und es bricht sich etwas Licht und Hoffnung Bahn.“ So berichtet Elke Tober-Vogt über die Uraufführung von Florian Meierotts neuem Stück „1945“. In diesem achtteiligen Werk für Violine solo versucht Meierott (geb. 1968) sich in den Zustand der Menschen zu versetzen, „die den Spagat meistern mussten, den Schock der Geschehnisse zu verarbeiten und sich gleichzeitig in einer neuen Realität eine Perspektive schaffen zu müssen.“ Er widmet das Stück denen, die „sich in den Trümmern wiederfanden und damit zurechtkommen mussten.“ „1945“ ist seit kurzem im Berliner Verlag Neue Musik erhältlich. Die Komposition besteht aus acht kurzen programmatischen Teilen, jeder mit einem eigenen Stil und Rhythmus. In „Trauma“ imitiert die Violine Sirenen und Flugzeug-Bomber. Weiche cantabile-Klänge sind in „Aus der Asche eine Art Frühling“ auf der Suche nach Zuversicht und Perspektive. „Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein politisches Stück“, stellt Meierott in seinem Vorwort der Notenausgabe klar, und: „Dies ist kein deutsches Stück, sondern ein europäisches.“ „1945“ ist die siebte Komposition, die von Meierott im Verlag Neue Musik erschienen ist. Wie schon in seinen „silent songs“ oder seinen „Intergalaktischen Etüden“ gelingt es ihm auch hier, die Geige modern und vielseitig einzusetzen. Das Notenbild der Ausgabe ist sehr großzügig gedruckt, die einzelnen Teile sind nie mehr als zwei Seiten lang und können ohne Wenden gespielt werden. An technisch anspruchsvollen Stellen gibt Meierott Fingersatzhilfen. Insgesamt ist „1945“ ein fesselndes Stück, teilweise allerdings fast schon zu etüdenartig. Florian Meierott ist nicht nur Komponist, sondern vor allem ein international gefragter Geiger und Pädagoge. Seit 2008 lehrt er an der Musikhochschule Würzburg.

Antonia Bruns, neue musikzeitung, Juli/August 2012

 

Zur Uraufführung am 8.9.2011:

Geiger, Komponist und Künstler Florian Meierott in der Kunsthalle Schweinfurt
 

Die meisten der vielen Konzertbesucher in der Kunsthalle kannten Florian Meierott vor allem als Geiger. Wenige nur wissen, dass er selbst sehr expressive, farbenfrohe und großformatige Gemälde schafft. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sein Violin-Soloabend mit Werken von mehr oder weniger zeitgenössischen Komponisten des deutschsprachigen Raumes eine wunderbare Symbiose mit der aktuellen Fred-Thieler-Ausstellung einging.
Was den Zuhörer gleich einfing war der volle, samtige Klang von Meierotts Jahrhunderte alter Stainer-Geige, der sich bei den akustischen Bedingungen des White Cube der Kunsthalle bestens entfalten konnte. Wie ein zauberhaftes Nachtstück entstand gleich zu Beginn Klaus Hinrich Stahmers fast noch druckfrische „Fantasie für Violine solo“, mit ihren zahlreichen flüchtigen Figuren und Trillern. Florian Meierott bekommt in diesem, ihm gewidmeten Werk eine Steilvorlage für das, was ihm liegt und er nahm sich die entsprechende Freiheit, Emotionen zu zeigen, Spannung aufzubauen und den Zuhörer mit immer neuen Eindrücken zu überraschen.
Programmmusik dann mit „Sei esercizi per ragazze da suonare d'estate“, sechs Charakterstudien des Schweizer Komponisten Martin Sigrist. Alle Achtung vor Florian Meierott, der sich mit diesem effektvollen Werk voller ungewöhnlicher Notationen, Spieltechniken, Klängen auseinandergesetzt hat und – bei aller Plakativität der Komposition – dem Publikum ein Spektakel an Impressionen und violinistischer Kunstfertigkeit bot!
Im Gegensatz zu diesen ganz aktuellen Werken wirkte Paul Hindemiths Sonate für Violine geradezu traditionell. Herma Studenys Schicksalssuite von 1945, von einer Geigerin komponiert, entpuppte sich als vollgepackt an geigerischen Fallstricken, beispielsweise im Bereich der Intonation. Hier war Florian Meierott dann auch nicht mehr ganz so locker, wobei ihm einige Paganini-hafte Passagen offensichtlich sehr zupass kamen.
Zum Abschluss dann die Uraufführung des Werkes „1945“ vom Komponisten Meierott selbst. Alles Verlorensein, alle Zerrissenheit und Perspektivlosigkeit des Nachkriegssommers spiegeln sich in den hohlen Anfangsklängen der Komposition, erst allmählich entstehen aus Fetzen Strukturen und es bricht sich etwas Licht und Hoffnung Bahn. Ein fesselndes und berührendes Werk als inhaltsschwerer Abschluss eines rundum überzeugenden Konzertabends.

Elke Tober-Vogt